Montag, 11. April 2016

Wenn Bildungspolitik kreativ wird

Wenn österreichische Bildungsministerinnen ankündigen, man werde „kreative Lösungen“ finden, dann läuten in den Schulen die Alarmglocken, denn von Elisabeth Gehrer über Claudia Schmied bis hin zu Gabriele Heinisch-Hosek zieht sich mittlerweile diese ebenso lange wie breite Kreativspur durch Österreichs ganzjährigen Bildungsfasching. Derzeit ist das Hauptproblem des Ministeriums ein Budgetloch in der Höhe von 550 Millionen Euro. Werner Faymann war letzte Woche schon als Vordenker kreativ, und Frau Heinisch-Hosek hat seinen Genieblitz aufgenommen. Die kreative Lösung besteht darin, die Lehrerarbeitszeit zu erhöhen! Also, ehrlich, auf diese Jahrhundertidee wäre wirklich niemand gekommen! Ist schon ein Teufelskerl, der Werner!
Aber damit nicht genug! In einem Interview mit einer österreichischen Tageszeitung orakelte die Bildungsministerin auch über die Ganztagsschule, die in Zukunft schlechte Messergebnisse bei den Bildungsstandards verhindern werde. Die Ministerin räumte ein, dass Lehrer, wenn sie den ganzen Tag in der Schule sein müssen, dort auch Korrekturen, Vorbereitungen und Nachbereitungen erledigen müssen. Ein durchschnittlicher Kopf wie ich denkt da einen Schreibtisch mit PC und an ein einigermaßen geräumiges Kastl für den nach wie vor unentbehrlichen Papierkram. Falsch! Die kreative Lösung sieht so aus: „Der eigene Arbeitsplatz spielt keine so große Rolle, wenn es eine gescheite Ablage gibt. Dann können sich Lehrer Platz zum ungestörten Arbeiten suchen – etwa in einem Ruheraum.“ Raffiniert! Mir macht nur eines ein bisserl Sorge: Es gibt keinen Ruheraum an meiner Schule.
Zurück zu den Bildungsstandards. Auch da hat Gabriele Heinisch-Hosek eine originelle Idee. Sie könnte ja, meint sie, Schulen, die gute Ergebnisse erzielen, Geld wegnehmen, um es den Armen und Bedürftigen zu schenken, die schlechter abgeschnitten haben. Da kommt in der AHS ein leichtes Magengrummeln auf. Wird Frau Heinisch-Hosek, wenn sie sich ans große Umverteilen macht, wohl auch bedenken, dass ein Schulplatz in der Neuen Mittelschule ohnedies schon viel teurer ist als einer in der AHS-Unterstufe? Und wird sie bedenken, dass unsere Budgets für den Sachaufwand so knapp bemessen sind, dass wir froh sind, wenn wir am Jahresende noch die Stromrechnung zahlen können? Gehen dort, wo allzu helle Köpfe sitzen, dann die Lichter aus?

Ha, jetzt hab ich eine kreative Lösung! Ich werde, wenn am 20. April die Bildungsstandards für Deutsch gemessen werden, unsere Schüler um gebremste Leistungsbereitschaft ersuchen. Wenn wir es schaffen, die schlechteste AHS zu sein, dann kriegen wir einen Patzen Geld – und davon finanziere ich dann einen Zubau mit Ruheraum, wo die Lehrkräfte unserer ganztägigen Schulzukunft ihre Arbeitsplätze haben! Na? Kreativ muss man halt sein! 

Oberösterreichische Nachrichten, 8. April 2016

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