Sonntag, 1. Dezember 2013

Volksschädling AHS-Lehrer!

Ich, Christian Schacherreiter, geboren 1954 in Linz, arbeitend daselbst, wohnhaft in Gallneukirchen, gebe zu Protokoll: Ich gehöre einer bösartigen, charakterlich minderwertigen Verschwörergruppe an, die das österreichische Bildungssystem in Geiselhaft hält und auf diese Weise jede Verbesserung verhindert. Ich gehöre zur terroristischen Gruppe der AHS-Lehrer und bin als AHS-Direktor ein Rädelsführer. Ich teile mit allen anderen meiner Berufsgruppe, besonders aber mit deren Gewerkschaftsvertretern, folgende Charaktermerkmale: Ich zeichne mich durch Obstruktion aus. Mir muss jeder Handgriff mit Euro aufgewogen werden. Ich bin blind für die Veränderungen der Gesellschaft und taub für nationale und internationale Bildungsexpertisen. Ich bin behaftet mit Standesdünkeln und stemme mich gegen jeden Modernisierungsversuch des Bildungssystems. Dass mein Image im Keller ist, verdanke ich mir und meiner Gewerkschaft. Ich neige zu Selbststigmatisierung und Wehleidigkeit und habe zurecht kein Sozialprestige. Ich verbringe meine Nachmittage privatisierend in den eigenen vier Wänden und arbeite, wie 74% der Österreicher bestätigen, weniger als andere Erwerbstätige. Ich lüge aber hinterhältig, wenn ich nach meiner Arbeitsbelastung gefragt werde, und will vor allem eines: mehr Geld. Immer mehr Geld! Ich bin besonders dünkelhaft und verhalte mich Pflichtschullehrern gegenüber ignorant. Ich habe aus Interesse an meinen Fächern und nicht aus Liebe zu den Kindern Deutsch und Geschichte studiert, aber der Hauptgrund, den Lehrberuf zu ergreifen, waren ohnedies die langen Ferien, in denen ich meinen Selbstverwirklichungstrips nachgehe. Dass die guten, fleißigen, unter harten Bedingungen arbeitenden Pflichtschullehrer zu so einem wie mir mittlerweile auf Distanz gehen, habe ich verdient! Ich bekenne mich schuldig und bin bereit, jede Art von Strafe anzunehmen.

Bei fast allen diesen Formulierungen handelt es sich um Originalzitate aus dem jüngsten Profil, in dem zwei wild gewordene Hauptanklägerinnen namens Christa Zöchling und Ulla Kramar-Schmid unter wohlwollender Duldung der Chefredaktion ihren Schauprozess gegen die AHS-Lehrer journalistisch in Szene setzen. Profil lesende Lehrer sind ja einiges gewöhnt, aber diesmal ist eine Grenze überschritten worden, die ich zur redaktionsinternen Aufarbeitung empfehlen würde. Pauschalierend und geifernd wird eine ganze Gruppe ohne jede sachliche Differenzierung als faule, dünkelhafte, veränderungsresistente, geldgierige Bande dargestellt. Welch seltsame Motive die beiden Journalistinnen antreiben, darüber kann man nur Vermutungen anstellen. Jedenfalls greifen sie zu Mitteln der persönlichkeitszerstörenden Diffamierung und Hetze, wie sie in einschlägigen politischen Systemen des 20. Jahrhunderts und deren Medien gang und gäbe war. ("Mobbing" wäre als Begriff in diesem Fall zu harmlos.) In diese Strategie fügt sich auch das Titelbild hervorragend ein. Ich kenne keinen AHS-Lehrer, der so oder auch nur so ähnlich aussieht. Das Bild mag man als Karikatur rechtfertigen. Karikaturen sind aber Überzeichnungen des Realen. Diese "Karikatur" hingegen ist keine, denn sie konstruiert nur ein diffamierendes Kunstbild: bösartiger, halb vertrottelter Lehrertypus vor antiquiertem Bücherkasten. Schaut ihn euch an, so sieht er aus, dieser miese Volksschädling! - Ceterum censeo (dünkelhaftes Latein!): Es ist höchste Zeit, das profil-Abo zu kündigen!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen