Donnerstag, 9. Mai 2013

Goethe über Ratschläge

Ich erzählte sodann“, schreibt Eckermann in seinen Gesprächen mit Goethe, „von dem Brief eines jungen Militärs, dem ich nebst anderen Freunden geraten hatte, in ausländische Dienste zu gehen, und der nun, da er die fremden Zustände nicht nach seinem Sinne gefunden, auf alle diejenigen schilt, die ihm geraten. ‚Es ist mit dem Ratgeben ein eigenes Ding,‘ sagte Goethe‚ 'und wenn man eine Weile in der Welt gesehen hat, wie die gescheitesten Dinge mißlingen und das Absurdeste oft zu einem glücklichen Ziele führt, so kommt man wohl davon zurück, jemandem einen Rat erteilen zu wollen. Im Grunde ist es auch von dem, der einen Rat verlangt, eine Beschränktheit, und von dem, der ihn gibt, eine Anmaßung. Man sollte nur Rat geben in Dingen, in denen man selber mitwirken will. Bittet mich ein anderer um guten Rat, so sage ich wohl, daß ich bereit sei, ihn zu geben, jedoch nur mit dem Beding, daß er versprechen wolle, nicht danach zu handeln.' “

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