Donnerstag, 18. April 2013

Geht's wieder, Herr Brusatti?


Der Wiener Musikwissenschafter und Radiomoderator Otto Brusatti (Ö1) hat in „Die Presse“  (16.4.2013) mit der ganz großen Pranke zum Rundumschlag gegen das Linzer Musiktheater ausgeholt. „Man wirft Österreich – Linz! – ein neues Opernhaus mit allen Stückeln vor“, höhnt und schimpft er. „Linz!“ Ausgerechnet dieses Linz (!) als Standort für ein Opernhaus! Mein Gott, so einen Missgriff muss man sich erst einmal vorstellen. Aber weil Otto Brusatti ein großzügiger Mensch ist, gönnt er den schlichten „Leuten in Linz und Umgebung“ ihren „Eventschuppen“. „Meinetwegen“, sollen sie ihn halt haben, denn was anderes als Events können sie dort wahrscheinlich eh nicht auf die Beine stellen, diese „Leute in Linz und Umgebung“, im Klartext: diese Provinzdeppen. Das hat man ja schon bei der Eröffnung gesehen.
Diese Eröffnungsfeier mit „Politik, Adabeis, angeblichen Kulturträgern“! Laut Otto Brusatti war sie „widerlich wie vor 60 oder 120 Jahren“. Und der zweite Teil der Eröffnung, der für’s Volk? Ein „Unter-sich-bleiben wie bei den gnadenspendenden Feudalstaaten“, mit „Gratisfraß“, aber „ohne feine Kleidung“. Und was gab’s noch bei der Eröffnung? „Eine katalanische Seltsam-Truppe, die offenbar mittels des Parsifal den Cirque du Soleil parodierte“. Kurzum, das war der nächste Dreck.
Na, und die Oper von Philipp Glass? – Ich bitte Sie! Ein musikalisches Nichts. Der komponiert doch „wie niemand sonst mehr (außer offenbar in Linz)“, ein Klang „wie vor 25 Jahren“, eine „voll austauschbare Minimal-Oper“, und dann auch noch mit einem Text von Handke, „ein Text?, der lieber hier nicht kommentiert wird.“ Und die Inszenierung? Was bekommt man von der Bühne herunter zu hören? „Herumgebrülle, sprachverhunzend.“ Ach ja, und zur Draufgabe das „scheußliche Husten“ dieses Anti-Publikums, das hört man auch noch. Ö1 übertrug diese Totalmisere auch noch und „bewies damit nur die Lächerlichkeit der Sache.“ Man stelle sich vor, Ö1! Die edle Stimme von Otto Brusatti und die Linzer Husterei, ausgestrahlt vom selben Sender!

So steigert sich Otto Brusatti in seinen zornigen Verbalrausch der Musiktheater-Beschimpfung und Linz-Verhöhnung hinein, der Thomas Bernhard entlehnt sein könnte, wenn er stilistisch besser wäre. Letztlich fuchtelt er sogar noch mit der dicken Faschismus-Keule herum, denn der „Eventschuppen“ ist auf den „Adi-Hitler-Lieblingsgründen“ errichtet worden. Lieber Herr Brusatti, beruhigen Sie sich doch. Achten Sie auf ihren Puls und Ihren Blutdruck. Das alles mag ganz schlimm sein für Sie, aber glauben Sie mir, so schlimm ist es in Wahrheit nicht. Sie sind ja in Wien in Sicherheit. Dort können sie ungeniert und stressfrei Ihre Ressentiments gegen die oberösterreichische Provinz äußerln führen. Linz ist nicht ansteckend. Es mag noch so tief und niveaulos zugehen bei uns, Sie bleiben die überragende Lichtgestalt, die Sie nun einmal sind. Ein bisserl weniger Schaum vor dem Mund hätte also auch gereicht. Geht’s jetzt wieder, Rumpelstilzchen?

(Als Leserbrief, etwas gekürzt, erschienen in Die Presse, 18.4.2013)

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