Sonntag, 8. Januar 2012

Evelyn Schlag im Stifterhaus

Am Dienstag, dem 17. Jänner, liest Evelyn Schlag im Stifterhaus Linz aus ihrem jüngsten Roman "Die große Freiheit des Ferenc Puskas". Die Lesung steht in der Reihe Lesethemen-Lebensthemen, die ich für die OÖN und das Stifterhaus betreue und moderiere. Das Thema von Schlags Roman ist die Herausforderung der Integration für Migranten, dargestellt an einem Beispielfall aus der fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Als Gesprächspartner für Frau Schlag habe ich Gunther Trübswasser (SOS Menschenrechte) eingeladen. Hier meine OÖN-Rezension aus dem Vorjahr zur Information:


"An einer aufgelassenen Tankstelle südlich von Wien begegnen einander zwei Männer, vielleicht zufällig, vielleicht auch nicht. Der eine ist der Rechtsanwalt Valentin Görtz, der andere, anscheinend verwirrte, heißt László Földesch. Das ist der Einstieg in eine spannend erzählte Romanhandlung, die den Zeitraum von 1956 bis 2008 umfasst. In der ungarischen Grenzstadt mit dem unaussprechbaren Namen Mosonmagyaróvár kommt es im Zusammenhang mit dem Aufstand gegen die kommunistische Regierung 1956 zu Unruhen. Mitbeteiligt ist István Földesch. Als die Niederlage der Aufständischen offenkundig ist, beschließt István gemeinsam mit seiner Frau Etelka und dem Söhnchen László über die grüne Grenze ins neutrale Österreich zu fliehen.

Die Flucht gelingt, und durch Österreich-Kontakte von Etelkas Vater bekommt das Ehepaar Földesch Arbeit und Wohnung im Molkereibetrieb Wickendorf. Was sich nach überstandener Flucht zunächst einmal als Glücksfall darstellt, wird sich in weiterer Folge als Problemfall erweisen. Und das liegt nicht nur daran, dass István eine seltsame Blockade hat, gut Deutsch zu lernen, während sich Etelka in der neuen Umgebung sofort gut zurechtfindet. Die Sprache und die damit verbundene Erfahrung von Fremdsein und Beheimatung ist eines der Hauptmotive in Evelyn Schlags neuem Roman „Die große Freiheit des Ferenc Puskás“.

In einer analytischen Erzählstrategie legt die österreichische Autorin gekonnt jene Handlungsfäden aus, die eines Tages dazu führen werden, dass László Földesch Valentin Görtz fragen wird, welche Rolle dessen Vater in einem dubiosen Konflikt vor einer Wiener Bar gespielt haben könnte. Die politischen Ereignisse sind zwar Ausgangspunkt und Ursache des Geschehens, aber nicht Hauptthema. So wie auch der ungarische Fußballstar Ferenc Puskás nur indirekt und am Rande mit der Handlung zu tun hat. „Die große Freiheit des Ferenc Puskás“ ist eher eine Ehe- und Familiengeschichte im Kontext der Emigration. Die Qualität des Romans besteht unter anderem darin, dass Evelyn Schlag ein feines Sensorium für die Komplexität und Unberechenbarkeit menschlicher Beziehungen hat. "

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