Mittwoch, 17. August 2011

Lob für Schmickls Lob der Leichtigkeit

Gepflegter Essayismus hat in der österreichischen Gegenwartsliteratur einen hohen Stellenwert. Gerald Schmickl, Romancier und Feuilletonist, hat vielleicht nicht den Bekanntheitsgrad von Robert Menasse, Karl-Markus Gauß und Franz Schuh, aber die Qualität seiner Essays kann sich durchaus an diesen Namen messen – wenn auch auf etwas andere Weise. Schmickl, Jahrgang 1961, grübelt selbst über den Unterschied seiner Generation zu den älteren Achtundsechzigern nach und kommt zu einem überzeugenden Ergebnis. Die in den sechziger Jahren geboren wurden, neigten weder zum Vatermord noch zu aufruhrähnlichen Anwandlungen anderer Art. Ihre Lebensweise ist ideologiefrei, pragmatisch, konsumfreundlich. „Wir erleben einfach weniger“, schreibt Schmickl, „vor allem weniger Dramatisches als unsere Vorfahren, dafür geht es uns halt besser. Kein schlechter Tausch.“

So entsteht die Leichtigkeit, deren Lob Gerald Schmickl, Angehöriger der „postheroischen Generation“, in seinem Buch so klug, stilistisch elegant und sympathisch zu singen weiß. Leichtigkeit muss nicht oberflächlich sein. Sie kann auch uneitel machen. Schmickl bekennt sich explizit zum Zitat. Ihm fehle der Ehrgeiz, alles, was sich zu einem Thema erleben, denken und sagen lässt, ausschließlich mit eigenen Worten wiederzugeben. Da haben doch gescheite Köpfe vor uns ohnehin schon großartige Formulierungen gefunden!

Seine Themen findet Gerald Schmickl meist im Alltag. Er verteidigt in 16 Essays unter anderem Sportreporter gegen die Gebildeten unter ihren Verächtern, räsoniert über den Zufall, über Umgangsformen mit Kellnern und darüber, warum man von der Popmusik nicht mehr loskommt, wenn sie einen einmal gepackt hat. Aber er bleibt nicht bei der Alltagswahrnehmung stehen, sondern tut genau das, was gute Essayisten eben tun: Er macht die Dinge des Lebens zum Gegenstand seiner Reflexionskraft. (Oberösterreichische Nachrichten, 10.8.2011, Christian Schacherreiter)

Gerald Schmickl: „Lob der Leichtigkeit. Essays zum Zeitvertreib“, edition atelier, 158 Seiten, 16,90 Euro

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