Freitag, 20. Mai 2011

Gerhard Roth war am Abend des 19. Mai mit "Orkus" im Stifterhaus zu Gast, mit einem Buch, dessen Qualität und Stellenwert ich sehr hoch einschätze. Aus meiner Einführung zur Stifterhaus-Lesung:

"(...) Gerhard Roth ist ein radikaler Künstler, radikal leitet sich vom lateinischen Nomen radix ab (Wurzel). Und Gerhard Roth geht an die Wurzeln der menschlichen Existenz und zwar mit den Mitteln der Schreibkunst, die er in die letzten Grenzbereiche ihrer Möglichkeiten treibt, die ihm und uns mehr Einsichten zu Tage fördern sollen über den Menschen, besonders im Hinblick auf seine Unberechenbarkeit, sein Gefahrenpotenzial, das sich zum Beispiel im Nationalsozialismus grauenhaft entladen hat. Mit seinem radikalen Kunstakt steht Gerhard Roth in der Tradition der kritischen Moderne des 20. Jahrhunderts.Vielleicht sind seine beiden Zyklen in der Geschichte dieser Moderne der letzte große Versuch dieser Art. Vielleicht kommt damit ein kunsthistorischer Prozess zum Abschluss. Ich will es nicht so recht glauben. Da die Postmoderne, deren Anspruch auf Überwindung der Moderne-Paradigmen ich sowieso immer für bloße Anmaßung gehalten habe, selbst schon wieder historisch geworden ist, vertrete ich eine andere These: Mit seinem Lebenswerk im Allgemeinen und mit dem Schlusspunkt „Orkus“ im Besonderen setzt Gerhard Roth einen höchst wichtigen und kräftigen Akzent: Die notwendige, die unentbehrliche Kunst entsteht nur, wenn sie auf diese Weise radikal ist, wenn sie die Wurzeln der Existenz mit den Mitteln der Kunst bearbeitet. Das galt – Moderne hin oder her - zur Zeit von Homer, zur Zeit von Dante, Schiller, Kafka. Es gilt für unsere Zeit – und ich kann es mir auch bei den Nachgeborenen, die noch kommen werden, nicht wesentlich anders vorstellen."

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